Fortsetzung des Beitrages "Eine Eisenbahnfahrt nach Lauenburg"  2017
(Zum besseren Verständnis dieser Schilderung sollten Sie den Bericht oben auf der vorherigen Seite gelesen haben.)

Nach etwa 75 Jahren hatte ich nun das Glück die "Eisenbahnfahrt nach Lauenburg" noch einmal erleben zu können. Die Erwartungen waren groß, was gibt es nach so langer Zeit noch?
Es gibt noch immer die 30 km lange Eisenbahnstrecke zwischen Leba und Lauenburg mit den 8 Bahnstationen.
Bekannt ist aber auch, daß nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee, zum Kriegsende 1945, der Markt in Lauenburg niedergebrannt wurde. Also gibt es das Kaufhaus Zeeck mit dem unvergessenen Fahrstuhl nicht mehr. Auch die Eisenwarenhandlung am Markt mit dem freundlichen Herrn Klutentreter, der mir damals ein kleine Kneifzange schenkte, kann es nicht mehr geben. Wer mag sich noch an den diesen Herrn Klutentreter erinnern?

Gegen 9 Uhr trafen wir mit unseren bequemen Reisebussen am Lebaer Bahnhof ein. Nach kurzer Wartezeit kam dann der Sonderzug, um uns abzuholen. Eine richtige Lokomotive hatte er aber nicht, es war ein moderner  Triebwagen. Wenig später setzte sich dann der Zug in Bewegung, ohne daß, wie früher ein Mann mit roter Mütze und Signalkelle das Abfahrsignal geben mußte. Er muß wohl ,wie überall, eingespart worden sein. Fahrkarten brauchten wir nicht zu kaufen, aber ich habe jetzt gewußt, was es damals mit der Retourkarte auf sich hatte.

An der rechten Seite der Bahnhofsausfahrt steht noch der von der Deutschen Reichsbahn errichtete Wasserturm. Er ist in einem vorbildlichen Zustand und könnte sogar bewohnbar sein. Vielleicht wohnt ja dort oben der oberste Bahnchef? Weg sind Lokomotivschuppen und Drehscheibe, sie werden nicht mehr benötigt.
Jedenfalls fuhr der Zug in einem gemäßigten Tempo, wie damals, von Bahnhof zu Bahnhof. Die Bezeichnung Haltepunkt wäre heute richtiger. An jedem Haltepunkt standen ca. 15 Minuten zur Besichtigung und zum Fotografieren, Fotoshooting wie es heute so schön heißt, zur Verfügung. Diese Gelegenheit wurde von allen Reiseteilnehmern ausgiebig genutzt. Aus der regulären Fahrzeit von 43 Minuten wurden somit zwei sehr interessante Stunden, in denen es zum Austausch vieler Erinnerungen kam. Alle Stationen waren im Gegensatz zu früher, mit erhöhten Bahnsteigen ausgestattet. Allerdings erfordern jetzt einige ein etwas akrobatisches Können. Dringend benötigen die Bahnhofsgebäude eine Verjüngungskur. Sie werden aber genaugenommen kaum mehr benötigt.


Die Bahnstationen der Strecke Leba-Lauenburg

   
Leba / Łeba   Fichthof / Steknicia
( kein Empfangsgebäude)
  Freest / Wrzeście
   
Landechow / Lędziechowo   Garzigar / Garczegorze   Neuendorf  (kein Empfangsgbd)
/ Nowa Wie
ś Lęborska
     
Neue Welt /
L
ębork Nowy Świat
  Lauenburg / Lębork    

 

Voller Spannung erwartete ich den Haltepunkt Garzigar. Hier gab es früher einen Kleinbahnzug mit der schönen Dampflokomotive aus Chottschow. Diese Bahnstrecke gibt es nicht mehr. Schade. Einige Gleisreste mit der alten Signalanlage sind auf dem Bahngelände noch sichtbar. Vielleicht wurde hier der Verkehr deshalb eingestellt, weil niemand mehr seine Hühner, Gänse, Enten usw. mit dem Zug zum Markt nach Lauenburg gebracht hat? Schweine waren sicherlich nicht dabei. Sei es wie es sei.
Neue Welt war mir eine verhaßte Station, weil ich von hier immer mit vielen kleinen Schritten zum Lauenburger Markt  gehen mußte. Dieses Mal ging es aber mit dem Zug weiter bis zum "Hauptbahnhof" Lauenburg. Hier gibt es immer noch die Bahnsteigüberdachung und den Fußgängertunnel wie damals, aber der "Fahrkartenknipser" ist nicht mehr da.
Endlich hatten wir den Marktplatz zu Fuß erreicht. Alles mußte hier nach dem 1945 verheerenden Brand neu errichtet werden. Moderne Bauten umsäumen jetzt weiträumig den neu gestalteten Platz.
Ich vermißte die vertraute Enge mit den schönen alten Häusern und vielleicht auch das dominierende Denkmal vom Großen Kurfürsten. Aber das ist ja ideologisch nicht zeitgemäß.
Schade, daß das Kaufhaus Zeeck mit dem nostalgischen Fahrstuhl nicht mehr da ist. Gerne hätte ich auch noch das Geschäft von Toetzke mit der rustikalen Imbißstube gesehen. Damals, in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, bekam ich hier immer ein herrliches Glas dunkles Bier. Ein besseres gab es nirgends. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern wo das war.
Und wo sind jetzt die klugen und frommen Leute, die uns die "Lauenburger Zeitung" und das Bier aus der Klosterbrauerei nach Leba schickten? Vom Winde verweht!
Da wir die Reise anschließend mit unseren Bussen fortsetzten, entfiel die Rückfahrt mit dem Zug nach Leba, obwohl die damaligen holprigen Schienenstöße weg sind.

Ein sehr schönes Reiseerlebnis. Allen Beteiligten, die das ermöglichten, meinen herzlichen Dank.


Bahnhof Lauenburg i. Pom.: jetzt Lębork
2017

Fotos: M. Lawrenz


Letzte Aktualisierung: Juli 2017